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Ausnahmesportler mit Handicap-Reportage PDF Drucken E-Mail

Avni Kertmens Sportlerkarriere beginnt, als er schon im Rollstuhl sitzt. Seitdem räumt er einen Preis nach dem anderen ab: drei mal Europameister im Badminton, 2003 Weltmeister und 2004 wählt ihn das Land Niedersachsen zum Sportler des Jahres.

Avni Kertmen flitzt in seinem Rollstuhl vor mir her, so dass ich kaum mithalten kann. Am Zielort angekommen, bin ich froh, dass ich mit dem sympathischen Sportler eine Verabredung zum Interview habe und nicht zu einem Badminton-Match! Beginn des Interviews: Avni Kertmen lächelt entschuldigend: „Mein Deutsch ist nicht so gut …“ Aber wir bekommen das hin.

Avni Kertmen wird in einem kleinen Ort an der Schwarzmeerküste der Türkei geboren. Später zieht die Familie nach Istanbul um. „Mein Traum war es Polizist zu werden, aber daraus wurde leider nichts“, erzählt Kertmen ohne Bitterkeit. Stattdessen macht er eine Ausbildung zum Feinmechaniker. Es scheint wie Ironie des Schicksals, dass es ausgerechnet ein Polizist ist, der den tragischen Unfall verursacht, der schließlich zu seiner Behinderung führt. Dieser Polizist ist ein Freund, man flachst herum, wie es Freunde manchmal tun, und plötzlich löst sich ein Schuss aus der Dienstwaffe und trifft Avni Kertmen. „Es war ein Versehen, ein Unfall, niemand hatte Schuld.“ Danach ist nichts mehr wie vorher. Der junge Mann verliert all seinen Lebensmut. 1986, ein Jahr nach dem Unfall entschließt er sich, bei seinem Bruder in Deutschland zu leben. Aber auch hier mag er die Wohnung nicht verlassen, trotz aller Versuche der Familie. „Ich war erst 24 Jahre alt und wusste nicht, wie mein Leben weitergehen sollte“, erinnert er sich an diese schmerzvolle Zeit. Avni Kertmen sitzt den ganzen Tag am Fenster, sieht auf das Leben draußen herunter, an dem er nicht mehr teilhat und wird immer deprimierter.

Avni Kertmen:„Ich muss ca. 14 Stunden in der Woche trainieren, schließlich steht 2005 die Weltmeisterschaft in Taiwan an.“ Doch der Sport verschluckt auch viel Geld. Avni Kertmen benötigt einen besonderen Rollstuhl, der nur 4–5 kg wiegt und sehr wendig ist. „So ein Rollstuhl ist sehr teuer und hinzu kommen noch die Kosten für Trainingslager, Fahrtkosten und sonstige Ausrüstung.“ Deshalb ist der Sportler auf die Unterstützung von Sponsoren angewiesen. Sogar gegen Bundeskanzler Schröder hat er schon mal ein Tennismatch gespielt. „Und bei der Wahl zum Sportler des Jahres, hat er mir einen persönlichen Gruß geschickt. Darüber habe ich mich sehr gefreut“, berichtet Kertmen stolz. Nie hätte er sich nach seinem Unfall vorstellen können noch so viele Dinge in seinem Leben zu erreichen. Gibt es nach so viel Erfolg überhaupt noch Ziele für die Zukunft? „Natürlich!“, lacht er, „2008 finden die nächsten Paralympics statt – da will ich dabei sein!“

Rena Bürger

Journalistin, Hannover

 

 

Letzte Aktualisierung ( Wednesday, 21. November 2007 )
 
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